Besonders bemerkenswert: Der Fehler schlummert bereits seit der Kernelversion 4.4 im Linux-Kernel und blieb über viele Jahre unentdeckt.
Die unter der Kennung CVE-2026-98432 bzw. WID-SEC-2026-4008 bekannte Sicherheitslücke betrifft die Verarbeitung von IPv4-TCP-Verbindungen (IPv6 ist nicht betroffen). Sie kann unter bestimmten Voraussetzungen aus der Ferne ausgenutzt werden. Im schlimmsten Fall können Angreifer Schadcode mit Root-Rechten ausführen und die vollständige Kontrolle über einen betroffenen Server erlangen. Der Schweregrad wird mit 9,8 von 10,0 bewertet. Ein funktionierender Exploit wurde bereits von Anthropic demonstriert.
Auch bei uns laufen die Prüfungen bereits. Wir kontrollieren sämtliche von uns betreuten Server darauf, ob sie von der Sicherheitslücke betroffen sind. Dabei schauen wir genau, welche Linux-Version und welcher Distributor auf dem jeweiligen Server eingesetzt werden und ob bereits ein passender Patch, also eine Software-Aktualisierung zum Schließen der Sicherheitslücke, vorliegt.
Sind entsprechende Sicherheitsupdates verfügbar, spielen wir diese schnellstmöglich ein. Sollten noch keine Updates bereitstehen, prüfen wir geeignete temporäre Schutzmaßnahmen, um die Server bis zur endgültigen Behebung der Sicherheitslücke abzusichern. Dazu kann beispielsweise die Deaktivierung von Multipath TCP gehören, wodurch bestimmte Angriffsmöglichkeiten eingeschränkt werden können. Unser Vorgehen stimmen wir jeweils auf die eingesetzte Linux-Distribution und Kernelversion ab, da nicht alle Hersteller gleichzeitig entsprechende Updates bereitstellen.
Unser Ziel ist es, alle betroffenen Systeme schnellstmöglich abzusichern und mögliche Angriffswege zu schließen, ohne den laufenden Betrieb unserer Kunden unnötig zu beeinträchtigen.
Der aktuelle Vorfall zeigt erneut, wie wichtig es ist, nicht nur eingesetzte Anwendungen, sondern auch die darunterliegende Server-Infrastruktur regelmäßig auf Sicherheitslücken zu überprüfen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wie die Schwachstelle entdeckt wurde: Mithilfe der KI Claude von Anthropic konnten Fehler in bestehendem Linux-Kernel-Code aufgedeckt werden, die bei früheren Prüfungen offenbar unentdeckt geblieben waren.
Das könnte künftig zu einer größeren Herausforderung werden: Mithilfe von KI lassen sich auch komplexe Fehler in älteren Softwareversionen und langjährig bestehendem Code aufspüren, die bisher unentdeckt geblieben sind. Gerade bei älteren Systemen könnte deshalb eine ganze Reihe weiterer Sicherheitsprobleme ans Licht kommen. Unternehmen sollten ihre bestehende IT-Infrastruktur daher regelmäßig überprüfen und auch ältere Systeme nicht aus dem Blick verlieren.
Haben Sie Fragen zur Sicherheit Ihrer Server oder möchten Sie wissen, wie Ihre technische Infrastruktur gegen solche Schwachstellen geschützt werden kann? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an info@123domain.eu oder rufen Sie uns direkt unter +49 (0) 231/58698-123 an. Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.
Quellen: heise.de, anthropic.com, atlasum.net, cybersicherheit-bw.de, cert-bund.de, redhat.com und eigene
